Jedes Projekt beginnt mit [phaseeins].



Eva Maria Froschauer

Deutsches Architektenblatt 8/00


Sie sind Architekten und so kennen sie auch den typisch schwärmerischen
Erzählton, kommt die Rede auf ihre laufenden Projekte. Nur, sie
malen weder abenteuerliche Baustellensituationen, mühsam erstrittene
Gestaltungselemente noch wohlüberlegte Detaillösungen aus.
Hans-Peter Achatzi und Benjamin Hossbach, Inhaber des Berliner Büros
[phase eins]. schildern vielmehr Wettbewerbsverfahren, die unter ihrer
Aufsicht und Koordination erfolgreich abgewickelt wurden.

Im letzten Jahr mehrte ihren Stolz die weltweit ausgelobte Konkurrenz
zur "adidas World of Sports" in Herzogenaurach. Dieses Jahr
ist es der Konzeptwettbewerb der Eidgenössischen Technischen Hochschule
Zürich, der "Virtuelle Universität und physische Präsenz"
zu vereinen sucht. Teilnehmer müssen einen Masterplan für
einen virtuellen Campus designen, ein Spezialauftrag für Entwerfer
wie Wettbewerbskoordinatoren. Die Herausforderung für [phase eins].
lag dabei in der genreüberschreitenden Aufgabenstellung und in
dem Denken außerhalb von Architekturkategorien.

Nach HOAI ist die LPH 1, die Leistungsphase eins, mit der Grundlagenermittlung
befasst. Sie ist definiert mit der Klärung der Aufgabenstellung,
der Beratung zum Leistungsbedarf und der Formulierung von Entscheidungshilfen
für die Auswahl anderer an der Planung fachlich Beteiligter.

[phase eins]. benennen auf ihrem Akquise-Folder und auf ihrer Homepage www.phase1.de
das gesamte Aufgabenspektrum des Büros weitaus süffiger: "Wir
bieten Projektbetreuung von Ihrer ersten Idee bis zur Genehmigungsfähigkeit."
Das Wettbewerbsmanagement ist dabei nur ein Teil des Angebots, zu dem
Machbarkeitsstudien ebenso zählen wie Projektpräsentationen.
Über die bloße Recherche zum Kapitel "Situation und
Planungsvorgaben", das jeden Ausschreibungstext einleitet, reicht
die Arbeit des Büros demzufolge weit hinaus. Achatzi und Hossbach
verstehen sich mehr und mehr als "Mediatoren", die etwa im
Fall des adidas-Wettbewerbs dem Bauherrn weiterhin als Berater zur Seite
stehen, wenn es um die Verhandlungen mit der Stadt Herzogenaurach geht.

Spricht nun die Eitelkeit eines jeden Baukünstlers nicht gegen
ein solches Arbeitsverständnis, das einmal geschaffene Grundlagen
in die Hände anderer gibt und das eigene kreative Leistung nie
in Gebautem umgesetzt sieht? Hans-Peter Achatzi kommt ja aus dem praktizierenden
Bauberuf, doch er sah sich nicht mehr befriedigt von den "Kleinkriegen"
rund um bauliche Realisierungen. Sein Rüstzeug fürs Wettbewerbswesen
holte er sich ehemals in der Wettbewerbsabteilung der Berliner Senatsbauverwaltung
und als BDA-Sprecher in den "heißen" Berliner Wettbewerbszeiten,
aber auch als Teilnehmer und Preisträger zahlreicher Wettbewerbe.
Benjamin Hossbach sammelte seine Erfahrungen als studentischer Vorprüfer
bzw. Mitarbeiter bei Wettbewerben, als Kontaktmann Deutschlands und
chairman des "European Architecture Students Assembly (EASA)"
sowie als Online-Redakteur der Bauwelt. Für beide schien der Schritt
zur Wettbewerbskoordination nur folgerichtig. Achatzi und Hossbach orientierten
sich neu nach ihren Talenten. Sie schätzen den Frontenwechsel und
die Möglichkeit sowohl als "Anwalt der Architekten",
als auch als Ausloberberater tätig zu sein, immer aber faire Verfahren
zu ermöglichen.

[phase eins]. nennt sich das Büro seit Januar 1999, seit mehreren
Jahren arbeiten Achatzi und Hossbach in dieser Konstellation schon projektweise
zusammen. Beide teilen sich als Büroinhaber das Management, die
Planung und die Auftragsbeschaffung. Das "co." im Namen steht
für die gewinnbeteiligten Partner, Volker Heinen (Software, Datenverarbeitung,
Digitaldruck) und Martin Siegmund (CAD, Systemadministration, Ausstellungen).
Sie zeichnen hauptsächlich für die medien- und sachgerechte
Aufbereitung der Ausschreibungs-, Vorprüfungs- und Präsentationsunterlagen
verantwortlich. Die insgesamt sieben festen Mitarbeiter von [phase eins].
sind ansonsten unhierarchisch als Team organisiert. Wer in diesem Büro
arbeiten wolle, müsse, so Benjamin Hossbach, schon in dieses Metier
hineingeboren sein. Denn es leistet einen Sonderbeitrag aus der Palette
aller Architekturleistungen. Reine Entwurfsarchitekten hätten wenig
Chancen aber auch weniger Freude in solcher Art Büropraxis. Wendige
Telefonierer und flinke Organisatoren seien gefragt, die sich sicher
auf dem internationalen Parkett bewegten, denn es gehe vielfach um rasche
und fremdsprachliche Koordination.

Die Konkurrenz unter reinen "Phase 1"-Büros ist nicht
überwältigend groß. Nur eine Hand voll hat sich auf
diese Tätigkeit spezialisiert, dazu zählen für Nordrhein-Westfalen
das Büro Faltin - Scheuvens - Wachten (Dortmund) und für den
norddeutschen Raum genius loci (Hamburg). Das Gros der Wettbewerbskoordination
wird weiterhin von kleinen Architekturbüros und Verwaltungen "nebenbei"
geleistet, so auch in Berlin. Hier ist [phase eins]. nahezu auf private
Auslober "spezialisiert", da sich die öffentliche Hand
als Auslober weitgehend zurückgezogen hat; zudem passt der offene
Ansatz des Büros vielleicht nicht so gut in das steinerne Berlin
und seine Verwaltung. Umso mehr müssen sich Achatzi und Hossbach
überregional bewegen, in Dresden, München, Zürich und
Wien Arbeit anwerben. In der geringen regionalen Bindung sehen sie allerdings
auch Potenziale. Ihr Ruf etwas teurer, dafür aufwändiger als
die Konkurrenz zu arbeiten, tut ihrem Renommee dabei keinen Abbruch.

"Praktizierende" Architekten würden im Verlauf des Gesprächs
Bilder ihrer Realisierungen zeigen; [phase eins]. präsentiert an
dieser Stelle Ausschreibungsunterlagen und Vorprüfberichte. Das
Büro hat sich hierfür eine eindrucksvolle Gestaltung zu eigen
gemacht, die alle ihre profunden Arbeitsgrundlagen auszeichnet. Die
angewandte grafische Umsetzung geprüfter Daten soll vor allem den
Preisrichtern zur raschesten Erfassbarkeit dienen. Wettbewerbsentwürfe
werden eingescannt und zum Sichtbarmachen z.B. der Nutzungsverteilung
einheitlich dargestellt. Flächenberechnungen bleiben nicht zusammenhanglose
Zahlen, sondern werden in Balkendiagrammen anschaulich. Piktogramme
weisen auf Besonderheiten jedes einzelnen geprüften Projektes hin,
zum Beispiel auf "Umweltkonflikte". Gilt ein Kritikpunkt im
Wettbewerbswesen der mangelnden Informationsaufbereitung, so arbeiten
Achatzi und Hossbach genau dagegen an. Mit ihrer Aufbereitung der Fakten
visualisieren sie die Analyse der Vorprüfung. Ihre Nachbearbeitung
eingereichter Projekte dient der vereinheitlichenden Darstellung und
dem Herausarbeiten der Eigenheiten eines Entwurfs. Es sei kein Eingreifen,
mehr ein Neutralisieren der Arbeiten, sagt Benjamin Hossbach. Für
die Augen der Jury würden dabei manchmal allzu plakative Entwürfe
auf ihre Fakten zurückgeführt, weniger bunten, doch substanziell
guten Projekten werde eine bessere - weil gleiche - Chance gegeben.

Mit dem Feilen am Niveau stehen [phase eins]. bereits mitten drin in
der immer wieder hitzig geführten Diskussion um Sinn und Missbrauch
des Architekturwettbewerbs. Achatzi und Hossbach verstehen sich als
Mitdiskutanten in der Debatte um die Professionalisierung des Wettbewerbswesens,
und sie referieren gelegentlich auch über ihre Erfahrungen. Die
eigenen Entwicklungsmöglichkeiten sehen [phase eins]. im Herauskitzeln
aller Nischen in den "Grundsätzen und Richtlinien für Wettbewerbe"
(GRW), insbesondere um Private für Wettbewerbsverfahren
zu gewinnen, und in der Weiterbildung für Beratertätigkeiten.

Würde man bauende Architekten nun noch nach finalen, kurzgefassten
Entwurfsgrundsätzen fragen, so können die organisierenden
Architekten Achatzi und Hossbach nur immer wieder einen Tatbestand,
der ihre Arbeit trägt, betonen: Wettbewerbe kosten nicht nur, sie
ersparen den Bauherrn mühsame Zeit der Architektensuche. Sie liefern
eine Grundlagenermittlung, die ohnedies zu leisten ist - alles in allem
eine Anfangsinvestition, die sich auszahlt.